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LA Facts

Light & Building: Auf Sand gebaut?

By 27. März 2026März 31st, 2026No Comments8 min Lesezeit

Der März steht, jedes zweite Jahr, für die Licht -und Elektrobranche ganz im Zeichen der Light & Building.

Eine Woche Ausnahmezustand. Schlechte Erreichbarkeiten bei der Industrie (für jene, die während der Messewoche versuchen normal zu arbeiten), zuviel Kaffee bei gleichzeitiger Dehydrierung, Halsbonbonbs (Honig-Salbei) in Kombination mit schmerzenden Fußsohlen bei gleichzeitigem Ausbleiben großer Innovationen. Das wäre ein einfaches Fazit.

Und dazu ein Stimmungsbild bei Besuchern und Ausstellenden irgendwo zwischen „die Messe wirds nicht mehr lang geben“ und „für uns ist das die besteste Messe überhaupt!“.

Ob das Format „Light & Building“ in Frankfurt in der Welt, in der wir leben, noch funktioniert, lässt sich nicht einfach sagen.

Doch wie lässt sich ein subjektiver und objektiver Eindruck zu einem Fazit vereinen? Auf welchem Fundament steht die Messe noch? Nach dutzenden Gesprächen und persönlichen Interpretationen versuche ich mich einer Annäherung.

Vorab: Dies ist meine Ansicht als Fachbesucher und Geschäftsführer eines Beleuchtungs-Fachhandels. Gebildet aus den Eindrücken von nunmehr 8 Messebesuchen auf der Light & Building in Frankfurt und 16 Jahren Branchenerfahrung. Ich habe die diesjährige Messe am Dienstag und Mittwoch besucht. Meine Erfahrungen beziehen sich lediglich auf den Beleuchtungspart, den Bereich Gebäudetechnik habe ich nicht gesehen.

Für meine Einschätzung ist es wichtig, auf vergangene Messen zu blicken. Meine erste Messe besuchte ich bereits 2010, als ich mich noch in der Ausbildung befand.

In den Messen bis zur Corona-Pandemie erlebte ich die Light & Building in voller Pracht. Die „Superstars“ der Branche wetteiferten mit immer größeren und fantastischeren Ständen.

Der Wandel hin zur LED-Technik wirkte wie ein Katalysator für das Design und die Effizenz neuer Lichtlösungen. So hatten die Hersteller bei diesen Messen über die Jahre reichlich Stoff für Innovation und Präsentation.

Die Leuchten wurden effizienter, filigraner, organischer. Neue Möglichkeiten der Lichtsteuerung wurden etabliert und das Thema Licht+Akustik trat auf den Markt. Ja man sprach sogar schon von diversen OLED-Anwendungen.

Die Hallen waren voll und die Aussteller, so meine Einschätzung, glücklich.

Dann kam die Corona-Pandemie und stellte erst mal unser bisher gewohntes Miteinander auf den Kopf.

Digitale Calls und Meetings hatten Hochkultur. Manche dachten, man wird einander nie wieder am Verhandlungstisch in die Augen schauen und man macht ab sofort alle Geschäfte aus dem Homeffice. Der Oxford-Lederschuh wurde gegen Birkenstock-Latschen getauscht.

Die Light & Building wurde erst von März auf den 27.09.-02.10.2020 verschoben – und dann komplett abgesagt.

Ich erinnere mich an die nachfolgende Light & Building im Herbst 2022 noch sehr gut.

Es herrschte große Unsicherheit ob der Präsenz von verhältnismäßig vielen Menschen an einem Ort. Wir alle hatten die soziale Isolation noch in Gedanken.

Ich denke, ich kann für das gesamte Team der Lichtagentur sprechen, dass wir von dieser Messe mit sehr gutem Gefühl abgereist sind. Es war Balsam für unsere Seele, viele der Menschen, mit denen wir seit Jahren gemeinsam arbeiten, nach schwierigen Monaten gesund wiedersehen zu können. Und das in ihrem natürlichen Habbitat: Beim Präsentieren von Leuchten.

Unserer Ansicht nach war 2022 für die ausstellenden Hersteller ein Erfolg. Alle Hersteller, mit denen wir sprachen, waren froh vor Ort gewesen zu sein. Gerade die Aussteller, welche in diesem Jahr in einen Messestand investiert haben, halten großen Anteil am Bestehen der Light and Building nach der Corona-Pandemie.

Zurück in die Gegenwart. Die Welt ist seit der Pandemie nicht unkomplizierter geworden. Die Wirtschaft und damit auch die Beleuchtungsindustrie sieht sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert.

Die Stimmen der Hersteller sind hinsichtlich der Messe längst nicht mehr so positiv, wie sie einst waren. Interessant ist, dass diese Stimmung schwankt – je nach dem, wann die Stimmungsfrage gestellt wird.

Dazu hatten wir uns mit einem der Geschäftsführer und dem Vertriebsleiter eines führenden, deutschen Leuchtenherstellers dieses Jahr ausgetauscht. Sie meinten, dass während der Messe alle glücklich und zufrieden sind – der Aufwand und die Kosten lohnen sich. Dieser Zustand hält auch noch eine gewisse Zeit nach der Messe an.

Und dann, einige Monate später: Wird der nächste Messeauftritt komplett hinterfragt.

Das kann zum einen daran liegen, dass eine gewisse Auswertung stattgefunden hat, die den subjektiv positiven Eindruck in ein anderes Licht rückt.

Zum anderen kann es an einer menschlichen Eigenschaft liegen, positive Erlebnisse im Nachgang komplett zu hinterfragen. Wie nach einem gelungenen Fest, bei dem man ausgelassen feiert. Am nächsten Morgen sagt man wahrscheinlich nicht: Das war klasse, ich hatte eine tolle Zeit und freue mich auf das nächste Mal. Man fragt sich: War das nötig? Hätte ich nicht doch lieber Zuhause Dschungelcamp schauen sollen?

Eine rationale Frage.

Schwächelnde Besucherzahlen, mangelnde Innovationen und die Abstinenz einiger großen Hersteller lassen den Blick in die Messe-Zukunft trübe werden. Die hohen Kosten und der immense Aufwand für die Ausstellenden lässt sich zahlenmäßig schwer rechtfertigen.

Die großen „Innovationen“ gibt es gegenwärtig nicht. Licht + Akustik wird wieder stark propagiert, fasst aber nach wie vor auf Grund der Komplexität vieler Projekte (und der hohen Kosten) noch wenig Fuß. Unserem aufmerksamen Auge fallen eher Kleinigkeiten auf, welche wir uns gemerkt haben.

Zudem erlebt die Light & Building bei den Herstellern designorienterter Leuchten starke Konkurrenz durch Konzepte wie der „Architect @Work“, regionalen Events (z.B. Munich Design Week) oder spezialisierteren Messen à la Euroluce.

Vor, während und nach der Messe wurde viel über Leuchtenhersteller geredet, welche in diesem Jahr nicht ausstellten. Aus Sicht des Messebesuchers eines „neutral-handelnden“ Fachhandels (wir haben keine Handelsvertretung oder sonstige Verpflichtungen an einen Hersteller) sehe ich die Abwesenheit von einigen bedeutendend nationalen wie internationalen Leuchtenherstellern zumindest besorgniseregend.

Ein rein rational denkender Mensch würde vermutlich schnell zum Ergebnis kommen, nicht wieder die Messe zu besuchen. Als Aussteller kann man Argumente wie Kosten/Nutzen, Aufwand ins Feld führen, als Besucher mangelnde Innovationen und die Abstinenz bedeutender Hersteller.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entscheidung für oder gegen die Messe eine Entscheidung ist, in der sich Rationalität und Emotionalität gegenüberstehen.

Und hier ist der Punkt, an dem ich ansetze. Ich hatte den Eindruck, dass die etablierten Hersteller wieder eine sehr erfolgreiche Messe hatten. Erfolgreich im Sinne von: Die Stände sind gut gefüllt. Planungsbüros, Handel, Installationsbetriebe – alle da. Geballt in einer Woche. Was daraus wird? Kann in diesem Moment niemand sagen. Was man in dieser Woche spürt ist: Emotion.

Für mich, als emotionaler Mensch, ist dieses Gefühl von spürbarer Emotion ein Lichtblick in der jetzigen Situation der Branche.

Ja, die Innovationen fehlen weitestgehend. Ja, der Anteil Zukaufartikel ist im jeweiligen Herstellersortiment hoch. Das scheint der gegenwärtige Weg zu sein.

Aber wohin würde uns der Weg denn führen, wenn wir nicht mehr ins Gespräch kommen? Wenn wir nicht mehr verhandeln, diskutieren und gemeinsam Lösungen finden?

Wohin würde uns der Weg führen, wenn es keine Gelegenheiten mehr gibt, bei denen die Branche zusammenkommt – und redet?

Wenn der Mikrokosmos „Lichtbranche“ sich nur noch über die günstigste Feuchtraumwannenleuchte definiert?

Für mich steht der Diskurs um Messen wie die Light & Building sinnbildlich für die Herausforderungen unserer Zeit.

KI & Co. suggerieren uns scheinbar ungeahnte Möglichkeiten. Alles lässt sich bequem anonym erledigen. Wozu eine Einlegeleuchte mit echter Lichttechnik wie „Mildes-Licht“ für 200€ brauchen, wenn ich ein Panel für 20€ online kaufen kann? Wozu jemanden anrufen, wenn die KI doch alle Antworten per Knopfdruck parat hat?

Wir verlernen das künstlerische, das Argumentieren, die Kompetenz und – nicht zuletzt – das Kommunizieren.

Daher sind die Messen wie die Light & Building so wichtig. Rational lässt sich das schwer erklären. Es muss auch nicht alles zu Tode analysiert werden. Analyse führt zu Paralyse.

In erster Linie geht um die Präsenz. Das ist das Fundament. Es geht um die Aussage: „Wir sind hier, wir sind präsent, wir kommen miteinander ins Gespräch“.

Und wenn das Fundament stabil bleibt (Kommunikation, Präsenz), werden sich in Zukunft wieder neue Innovationen darauf aufbauen lassen.

Das sind meine Gedanken zur Light & Building. Wie so oft gibt es keine einfachen Antworten. Ich möchte diesen Text mit einem Zitat von Albert Einstein abschließen, welches uns bei der Annahme hilft, nicht alles rational zu sehen:

„Nicht alles, was man zählen kann, zählt auch und nicht alles was zählt, kann man zählen.“