Nachdem nun langsam die letzten Leuchtstoffröhren und Vorschaltgeräte vergriffen sind, nimmt das Thema LED-Sanierung merklich an Fahrt auf. Wir, als Fachhandel für Lichttechnik, werden fast täglich mit diesem Thema konfrontiert. Bei der Lösungsfindung wird deutlich, dass es kein „Schema F“ für alle Einzelfälle gibt. Die richtige Lösung für eine erfolgreiche Sanierung ist abhängig von vielen Faktoren. Ich möchte euch mit diesem Blogartikel eine Orientierung im Sanierungs-Dschungel verschaffen. Denn der Dschungel und der Sanierungsmarkt haben eines gemeinsam: Man kann sich leicht (ver-)irren.
Die fünf Wege zur LED-Sanierung
- Retrofitlampen: Leuchte bleibt erhalten, altes Leuchtmittel wird ausgebaut und neues LED-Leuchtmittel eingebaut. Es finden keine Veränderungen an der Leuchte oder am Vorschaltgerät statt.
- Konversionslampen: Hier wird eine bauliche Veränderung an der Leuchte vorgenommen, beispielsweise das Entfernen oder der Tausch des Vorschaltgerätes.
- Universelle Umrüstsätze: Hier sind Umrüstsätze von Herstellern gemeint, welche in Leuchten von anderen Herstellern eingesetzt werden.
- Leuchtenspezifische Umrüstsätze: Speziell für die Bestandsleuchte gefertigter Umrüstsatz.
- Kompletter Tausch: Alte Leuchte wird durch neue Leuchte komplett ersetzt.
Ziel und Hintergrund des Artikels
Der nachfolgende Text beruht auf unserer Erfahrung/Einschätzung sowie dem White Paper des ZVEI „Umrüsten von Leuchten“ (27.05.2024). Ziel ist, dass dieser Artikel für Bauherren und nicht zuletzt für Elektroinstallationsbetriebe Klarheit beim Thema „LED-Sanierung“ schaffen soll. Dieser Artikel stellt daher eine zusammengefasste und leicht vereinfachte Version des ZVEI Whitepapers dar. Die komplette, ausführliche Publikation kann hier heruntergeladen werden: ZVEI Whitepaper
Schrittweise zur passenden Sanierungslösung
Die folgende Vorgehensweise kann hierbei ein sicherer Pfad durch den Sanierungs-Dschungel sein. Ein befestigter Weg, um ein Abrutschen in einen teuren Abgrund zu vermeiden. Auf alle Eventualitäten und Sonderfälle kann jedoch nicht eingegangen werden. Im Einzelfall stehen wir immer beratend zur Seite.
Die folgende Vorgehensweise kann hierbei ein sicherer Pfad durch den Sanierungs-Dschungel sein. Ein befestigter Weg, um ein Abrutschen in einen teuren Abgrund zu vermeiden. Auf alle Eventualitäten und Sonderfälle kann jedoch nicht eingegangen werden. Im Einzelfall stehen wir immer beratend zur Seite.
Bestandsaufnahme Teil 1: Sicherheitsprüfung
Zuerst gilt es herauszufinden, ob eine Umrüstung der Bestandsleuchte generell möglich ist oder ob sicherheitsrelevante Mängel bestehend. Diese Prüfung sollte durch eine Elektrofachkraft erfolgen. Folgende Punkte müssen beachtet werden:
- Zustand der Bestandsleuchte hinsichtlich des Materials (Beschädigungen und Stabilität)
- Zustand der Bestandsleuchte hinsichtlich der Elektrik (Kontakte, Leitungen, Klemmen und Fassungen)
- Ist die notwendige IP-Schutzart noch gegeben (evtl. spröde Dichtungen)?
- Ist der Schutz vor elektrischem Schlag gegeben (Erdung und Berührungsschutz)?
Fazit:Die Bestandsaufnahme soll feststellen, ob die Alt-Leuchten überhaupt umgerüstet werden können oder ob nur eine Neuinstallation in Frage kommt.
Bestandsaufnahme Teil 2: Detailprüfung
Nehmen wir an, dass die Leuchte potentiell mechanisch und technisch für eine LED-Sanierung geeignet ist. Wir haben nun eine (oder mehrere) Sanierungslösungen im Blick. Die Detailprüfung muss im Kontext dieser Sanierungslösung erfolgen. Nun sollten folgende Details geprüft werden:
- Welche Anforderungen bezüglich der Arbeitsstättenrichtline (ASR) und/oder der Beleuchtungsnorm (DIN EN 12464-1:2021-11) gelten in diesem Anwendungsfall konkret und kann die sanierte Leuchte diese Anforderungen erfüllen? Weniger Verbrauch ist das Ziel, aber dieser darf nicht auf Kosten der Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit und Entblendung gehen.
- Gibt es thermische oder mechanische Zweifel? Bedenke, dass die Alt-Leuchte für den Einsatz konventioneller Lichtquellen konstruiert wurde. Eventuelle Wärmebelastung der LED oder das meist höhere Gewicht einer LED-Lichtquelle in Verbindung mit einem Kühlkörper sind Faktoren, die bei der Konstruktion der Leuchte vor 20, 30 Jahren nicht im Raum standen.
- Erfüllt die Leuchte auch nach der Umrüstung noch die Vorgaben hinsichtlich der Schutzklasse und Erdung?
- Muss die Leuchte spezifische Anforderungen erfüllen (Ex-Schutz, Reinraumtauglichkeit, Ballwurfsicherheit). Auch hier ist Vorsicht geboten. Die alte Leuchte wurde hinsichtlich dieser Prüfungen nicht für den Einsatz von LED-Lichtquellen getestet.
- Ist die Sanierungs-Lösung für die Umgebungstemperatur der Alt-Leuchte geeignet? Die LED liebt Kälte, Hitze verträgt sie allerdings weniger gut. Auf 10m Montagehöhe unter einem Blechdach im Hochsommer bei 50° sollte bei der LED ein Blick in das Datenblatt der Sanierungslösung geworfen werden (Umgebungstemperatur der Luft, kurz „Ta“)
Risikobewertung der Sanierung
Hier gilt es nun zu bewerten und abzuwägen. Wobei man sich das abwägen sparen kann, wenn es Bedenken oder schlichtweg Zugeständnisse bei den Punkten der Bestandsaufnahme und der Detailprüfung gibt. Bevor man zur „Wird scho passen“-Taktik greift, sollte einem bewusst sein, was im Härtefall hinsichtlich der Haftung auf die umrüstende Person zukommen kann.
Die wichtigste Frage ist: Wann bin ich, als umrüstende Person, in der Haftung, wenn ich eine Sanierung mit Lösung 1 (Retrofitlampen), 2 (Konversionslampen) oder 3 (Universellen Umrüstsätzen) verwenden möchte?
Die Antwort lautet: Wenn wesentliche Veränderungen an der Leuchte vorgenommen werden.
Wesentliche Veränderungen sind z.B.:
- Veränderung bzw. Erhöhung der ursprünglichen Leistung
- Veränderung der Verwendung: Eine Office-Leuchte soll auch nach der Umrüstung als solche verwendet werden.
- Veränderung der Bauart: Eine Leuchte mit Schutzart IP65 muss nach der Umrüstung die gleichen Eigenschaften aufweisen.
- Weitere Veränderungen: Hier zitiere ich aus dem Whitepaper: „Der Austausch bestehender und der Einsatz neuer Komponenten führt in der Regel zu veränderten EMV- und Blaulichteigenschaften. Der Hersteller der Umrüstlösung sollte die EMV-Konformität und die Normenkonformität der Blaulichteigenschaften der entsprechenden Umrüstlösung bestätigen. Zur Sicherstellung der EMV-Konformität sind spezifische Hinweise, z.B. zu Abständen zwischen Leitungen, zu befolgen. Sofern funkbasierte Steuerungssysteme verwendet werden, sind Anforderungen aus der Funkanalagenrichtlinie (RED 2014/53/EU) zu beachten. Umrüstlösungen mit einer Blaulichtklassifikation RG0/RG1 können ohne weitere Prüfungen verwendet werden. Komponenten der Klassifikation RG2 erfordern weitergehende, in der Montageanweisung angeführte Maßnahmen.“ – Zitat Ende.
So läuft die Risikobewertung ab
Wenn also wesentliche Veränderungen an der Leuchte vorgenommen werden, wird die umrüstende Person zum Hersteller und muss u.a. eine EU-Konformitätserklärung ausstellen und die CE-Kennzeichnung am Produkt anbringen.Hinsichtlich der Risikobewertung kann folgende Vorgehensweise zu Rate gezogen werden:
- Start: Risikobewertung
- Ziel: Prüfung auf wesentliche Veränderung
- Frage: Gibt es Änderungen in Leistung, Verwendung oder Bauart?
- Nein →
→ Keine wesentliche Veränderung
→ CE-Kennzeichnung bleibt erhalten - Ja →
Weiter zu nächster Frage
- Nein →
- Frage: Bestehen durch die Änderung erhöhte Risiken?
- Nein →
→ Keine wesentliche Veränderung
→ CE-Kennzeichnung bleibt erhalten - Ja →
→ Wesentliche Veränderung
→ Neue Konformitätsbewertung & Ausstellung DoC (Konformitätserklärung)
→ Neue CE-Kennzeichnung
- Nein →
Bei modernisierten Produkten, bei jenen keine wesentliche Veränderung vorgenommen wurde, ist demnach keine neue Konformitätbewertung notwendig. Wenn die Modernisierung jedoch zu wesentlichen Veränderungen führt, ist eine neue Konformitätsbewertung schriftlich zu belegen – quasi wie bei einem neuen Produkt. Dieses Produkt muss dann erneut mit einer CE-Kennzeichnung versehen werden und alle Herstellerpflichten gelten!
Das gilt es als umrüstende Person natürlich unbedingt zu vermeiden!
Die richtige Entscheidung treffen – Ein Überblick
Fassen wir die Erkenntnisse zusammen: Angenommen wir haben festgestellt, dass die Altleuchte grundsätzlich für eine Sanierung geeignet ist (Bestandsaufnahme Sicherheitsprüfung). Jetzt haben wir wahrscheinlich schon eine Sanierungslösung im Hinterkopf. Oder mehrere. Diese müssen wir nun im Rahmen einer Detailprüfung (Bestandsaufnahme Detailprüfung) genauer unter die Lupe nehmen.
Jetzt gibt es auch im Rahmen der Detailprüfung keine Einwände. Nun gilt es genau hinzusehen, wie die Sanierungslösung aussieht und ob sie eventuell dazu führt, dass ich, als Umrüster, mir die „Hersteller-Bürde“ auferlege. Die Umrüstlösung (Konversionslampen oder universellen Umrüstsätze) müssen so beschaffen sein, dass diese zu keiner wesentlichen Veränderung bzw. zu keinem erhöhten Risiko nach erfolgter Umrüstung führt. Um dies sicherzustellen lassen sich folgende Anforderungen an den Hersteller der Umrüstlösung und den Umrüstenden ableiten:
- Hersteller der Umrüstlösung:
-
- Risikoanalyse der Umrüstlösung
- EU-Konformität und CE-Kennzeichnung der Umrüstlösung sicherstellen
- Person, welche die Umrüstung durchführt:
-
- Bestandsaufnahme Teil 1+2
- Risikobewertung der umzurüstenden Leuchte in Verbindung mit der Sanierungslösung
Worauf immer geachten werden sollte – Abschließende Hinweise
Da dieses Thema komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheint, lässt sich keine allgemein gültige Aussage treffen, wann eine Sanierung mit welcher Sanierungslösung Sinn macht und wann nicht. Es kommt hier auf den expliziten Einzelfall an. Trotzdem lässt sich ein Fazit mit Vor- und Nachteilen der jeweiligen Sanierungslösungen ziehen:
Retrofitlösungen, bei denen nur das Leuchtmittel getauscht wird, stellen in den meisten Fällen aus Sicht der Risikobewertung kein Problem dar. Hier zeigt die Erfahrung jedoch, dass die lichttechnischen Eigenschaften (Lichtstrom, Abstrahlwinkel etc.) genau geprüft werden müssen. Auch die Kompatibilität mit verbauten und in der Leuchte verbleibenden Vorschaltgeräten gilt es zu prüfen.
Aus meiner Sicht nur für untergeordnete Beleuchtungsaufgaben und Privatanwendungen zu verwenden.
- Kostengünstige Lösung mit gutem Energieeinsparungspotential
- Meist schnelle Montage
- Leuchte bleibt an Montageposition bestehen (kein neuer Deckenausschnitt, Malerarbeiten etc.)
- Ökologischer Gedanke (ressourcenschonend, Müllreduzierung)
- Design der Leuchte von außen bleibt erhalten
- Hohes Risiko von lichttechnischen Verschlechterungen
- Die Bestandsleuchte bleibt alt (individueller Zustand entscheidend)
Meiner Einschätzung nach ist Vorsicht geboten bei Sanierungslösungen mit Konversionslampen und universellen Umrüstsätzen. Auf dem Papier sollte der Hersteller dieser Umrüstlösungen zwar eine Risikoanalyse machen, aber dafür braucht es immer den Kontext zur Altleuchte. Ob hier im Alltag wirklich detailliert geprüft wird, stelle ich in Frage. Ein gewisses Restrisiko bleibt somit zwangläufig bestehen.
- Kostengünstige Lösung mit gutem Energieeinsparungspotential
- Meist schnelle Montage
- Leuchte bleibt an Montageposition bestehen (kein neuer Deckenausschnitt, Malerarbeiten etc.)
- Ökologischer Gedanke (ressourcenschonend, Müllreduzierung)
- Design der Leuchte von außen bleibt erhalten
- Oftmals fehlende Risikoanalyse durch den Hersteller, da Altleuchte unbekannt
- Dadurch erhöhtes Risiko durch die ausführende Kraft
- Die Bestandsleuchte bleibt alt (individueller Zustand entscheidend)
Eine sehr solide Lösung können leuchtenspezifische Umrüstsätze darstellen – wenn sie gut gemacht und geplant sind. Hier handelt es sich mehr oder weniger um maßgeschneiderte Lösungen, welche vom Hersteller der Umrüstlösung explizit auf eine Bestandsleuchte angepasst bzw. in Kombination und Betrieb mit dieser werkseitig getestet werden. Der Hersteller der Umrüstlösung kann hier entweder der gleiche Hersteller der Bestandsleuchte sein oder ein anderes Fabrikat, welches seine Umrüstlösung entsprechend anpasst und testet. So haben viele Hersteller für ältere Baureihen aus Ihrem ehemaligen Portfolio mittlerweile durchdachte und funktionierende Sanierungs-Kits im Programm.
In einem realisierten Hotel-Projekt in Wien hatten wir mit einem Partner historische Flurleuchten saniert. Unser Partner hat dafür eine Leuchte zum Test eingesendet bekommen und daraufhin einen maßgeschneiderten Umrüstsatz konstruiert.
- Oftmals kostengünstiger als neue Leuchten
- Meist schnelle Montage
- Leuchte bleibt an Montageposition bestehen (kein neuer Deckenausschnitt, Malerarbeiten etc.)
- Ökologischer Gedanke (ressourcenschonend, Müllreduzierung)
- Design der Leuchte von außen bleibt erhalten
- Maßgeschneiderte Lösung ohne Zugeständnisse an Effizienz, Lichttechnik und Lebensdauer
- Risikoanalyse, Konformität und CE-Kennzeichnung übernimmt der Hersteller
- Die Bestandsleuchte bleibt alt (individueller Zustand entscheidend)
- Ein gewisser Zeitaufwand für die Konzeptionierung, Angebotserstellung und Lieferung muss berücksichtigt werden.
Zuletzt steht noch der komplette Tausch der Leuchte im Raum. Dieser sollte immer eine Option sein und nie ausgeschlossen werden. Oftmals bleibt einem auch keine andere Wahl.
- Lösung mit der i.d.R. besten Effizienz, Lebensdauer und Lichttechnik (bei einer hochwertigen Leuchte)
- Anwendungsspezifische Eigenschaften können bei der Leuchtenauswahl berücksichtigt werden (Ballwurftsicherheit, Explossionsschutz etc.)
- Risiken, welche beim Umrüsten von Altleuchten entstehen, entfallen hier
- Wahrscheinlich die teuerste Lösung
- Höherer Montageaufwand
- Verbrauch von Ressourcen (hier lohnt sich ein Blick in die Nachhaltigkeits-Angaben des Herstellers)
Wichtig: Die Bestandsaufnahme (Sicherheits- und Detailfragen) gilt es immer als erstes durchzuführen. Erst danach kommen die Überlegungen hinsichtlich der Sanierungslösung und deren Risikobewertung.
Abschließend appelliere ich bei der Überlegung, ob und wie saniert werden kann, immer an euren gesunden Menschenverstand. Oftmals macht eine Sanierung finanziell (leider) keinen Sinn, da eine vergleichbare, neue Leuchte nur unwesentlich teurer ist oder der Aufwand der Bestandsaufnahme & Risikobewertung unverhältnismäßig groß ist.
Ich hoffe, ich konnte durch diesen Artikel und durch meine Praxiserfahrung etwas Klarheit schaffen und euch damit eine Machete für die Orientierung im Sanierungs-Dschungel an die Hand geben.
